Architektenkammer RLP warnt vor Wohnungsmangel
Seit der Streichung der Eigenheimzulage ist die Zahl der Wohnungsneubauten drastisch zurückgegangen. Um einen Wohnungsmangel, besonders in den Ballungsräumen zu vermeiden, muss wieder mehr und anders gebaut werden.
Entwicklung des Wohnungsbauvolumens in Deutschland (in
Mrd. Euro zu Preisen von 2000)
Nur noch 8.078 Wohnungen sind im gesamten Jahr 2007 in Rheinland-Pfalz
in neuen Wohngebäuden entstanden, meldet das Statistische Landesamt. Das
sind 40 Prozent weniger als im Durchschnitt der vier Jahre zuvor.
Tendenz weiter fallend. Im Januar 2008 wurden lediglich 528
Baugenehmigungen für Wohnungsneubauten erteilt, hier beträgt der
Rückgang gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2006 bereits 62
Prozent. "Wenn diese Entwicklung
weiter anhält, ist besonders in den Ballungsgebieten ein neuer
Wohnungsmangel zu befürchten," warnt Dr. Michael E. Coridaß,
Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Rückläufig
sind auch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden, sie reduzieren zudem
eher die Wohnungszahl. Die Folgen des Wegfalls der Eigenheimzulage zum
Jahresende 2005, so Coridaß, zeigten sich mit den Zahlen des Jahres 2007
nun deutlich, während in der Statistik des Jahres 2006 zum Teil noch
geförderte Bauten enthalten waren. Schon jetzt übersteigt die Nachfrage
nach adäquaten Wohnungen besonders in den Innenstädten deutlich das
Angebot. Häufig entsprechen die vorhandenen Wohnungen nicht mehr den
heutigen Wohnbedürfnissen, sie sind nicht barrierefrei, die Zimmer zu
klein und die Grundrisse nicht flexibel. Besonders der Mangel an
seniorengerechten Wohnungen stellt ein Problem dar: Aufgrund der
demografischen Entwicklung benötigen immer mehr ältere Menschen
barrierefreie Wohnungen mit entsprechender Größe - sie müssen auch mit
einem Rollator oder Rollstuhl zu nutzen sein und sollten eine
Übernachtungsmöglichkeit für Besuch oder eine Pflegeperson bieten. Nur
unter diesen Voraussetzungen können ältere Menschen möglichst lange
eigenständig leben. Ein humanitäres Gebot, das aber auch aus Sicht der
Sozialsysteme dringend erforderlich ist. Vor allem in Innenstädten, wo
Infrastruktur- und Serviceangebote - auf die gerade ältere Menschen
angewiesen sind - existieren, fehlen solche Wohnungen. Aber auch den
Bedürfnissen jüngerer Generationen entsprechen viele Wohnungen nicht
mehr. Mit der Vielfalt der Lebensformen haben sich auch die
Wohnraumanforderungen diversifiziert. Flexibel nutzbare Räume in urbaner
Umgebung sind gefragt - angeboten werden aber vielfach Wohnungen mit
starren Standardgrundrissen. Dieses Auseinanderdriften von Angebot und
Nachfrage wird durch den Trend, in der Stadt zu wohnen, verstärkt. Immer
mehr Menschen schätzen und genießen ein urbanes Wohnumfeld mit seinen
vielfältigen Angeboten. "Es ist zu befürchten, dass auch in den
kommenden Jahren zu wenig Neubauten errichtet werden, um dieses
Missverhältnis auszugleichen", so Coridaß. "Ein Zustand, der
gesellschaftlich nicht gewollt sein kann und dringend Korrekturen
erfordert".
Quelle: Architektenkammer Rheiland-Pfalz
fk-Landimmobilien
Anja Friederike
Kämmerer
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